19.12.16 14:20 Alter der Meldung: 2 Jahre

Geschäftsjahr 2015/2016 der Energie Burgenland: Leicht steigende Gewinne trotz Einbußen bei Windenergieproduktion

Von: Hannelore Halwax

Schwaches Windaufkommen bedingt Rückgang der Ökostromproduktion, erste Maßnahmen aus Effizienzprogramm FIT2020 bringen Ergebnisverbesserungen

Geschäftsjahr 2015/2016 der Energie Burgenland

Vorstandsvorsitzender Michael Gerbavsits und Vorstandsdirektor Alois Ecker

Das Geschäftsjahr 2015/16 der Energie Burgenland stand im Zeichen von FIT2020, einem Effizienzprogramm, dessen Maßnahmen unmittelbar Einsparungen bringen und ab dem Jahr 2020 jährlich die Kosten um 7 Millionen Euro senken. Ziel ist es, Synergien innerhalb der Unternehmensgruppe besser zu nutzen, Doppelgleisigkeiten abzubauen und in der Performance effizienter zu werden. „Das Markt- und Branchenumfeld hat uns gezeigt, dass solche Maßnahmen unumgänglich sind. Trotz verschärfter Bedingungen gelingt es uns auch heuer wieder, unseren Eigentümern eine gleichbleibende Dividende von 19 Millionen Euro auszuschütten. Das ist auch unser Ziel für die kommenden Jahre“, sagt Energie Burgenland Vorstandsvorsitzender Michael Gerbavsits, nachdem heute der Jahresabschluss durch den Aufsichtsrat bestätigt wurde. Außerdem kann aufgrund von Sondereffekten für das Geschäftsjahr 2015/2016 eine einmalige Dividende von zwei Millionen Euro ausgeschüttet werden.

Trotz branchenweit sehr herausfordernder Bedingungen schloss die Energie Burgenland Gruppe das Geschäftsjahr am 30. September 2016 mit einem guten Ergebnis ab: Der Jahresüberschuss beträgt knapp 25,2 Mio. Euro, das ist ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2014/15: 22,3 Mio. Euro). Insgesamt jedoch ist der Umsatz der Gruppe um 9 Prozent auf 306,2 Mio. Euro zurückgegangen. Ebenso ist das Ergebnis aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) auf 18,53 Mio. Euro gesunken. Die Gründe dafür liegen in niedrigeren Stromerlösen aus der Windkraft: Aufgrund des geringen Windaufkommens im gesamten Geschäftsjahr liegt der Umsatz 15 Prozent unter Budget. „Da sich dieser Trend schon zur Geschäftsjahresmitte abzeichnete, haben wir schon früh kurzfristige Maßnahmen umgesetzt, die unmittelbar positive Effekte zeigten“, so die beiden Vorstände Michael Gerbavsits und Alois Ecker. Daneben wirkten sich Sondereffekte aus einer Steuerprüfung bzw. aus Vorjahren sehr positiv auf den Jahresüberschuss aus.

Positive Bilanz im Energie-Vertrieb
Obwohl aufgrund eines relativ milden Winters im vergangenen Jahr weniger Heizgradtage verzeichnet wurden, stieg die Verkaufsmenge bei Strom geringfügig an (+1,2 Prozent). Einkaufsvorteile bei Strom und Erdgas, die sich durch niedrigere Börsenpreise ergeben haben, wurden an die Kunden weitergegeben: Noch vor der Heizperiode senkte Energie Burgenland die Preise um fünf Prozent. Die Strompreise wurden in den letzten vier Jahren insgesamt um rund ein Drittel reduziert. Auch für Erdgas wurden seit 2012 bereits vier Preisanpassungen in Serie durchgeführt und damit die Verkaufspreise in Summe um rund 20 Prozent gesenkt.
 
Konstante Investitionen in Netzinfrastruktur
Im Jahr 2015 hat Energie Burgenland eine Infrastrukturoffensive gestartet, um das Erdgasnetz zukunftsfit zu machen und die Versorgungsqualität langfristig abzusichern. Das Erneuerungs-programm ist auf 15 bis 20 Jahre ausgerichtet, in denen jährlich ca. vier Mio. Euro investiert werden. Dass dies der richtige Weg ist, zeigt eine repräsentative Kundenzufriedenheits-Umfrage unter allen Verteilnetzbetreibern: Netz Burgenland schnitt im Österreich-Vergleich hervorragend mit der Schulnote 1 ab und konnte seine Zufriedenheitswerte gegenüber dem Vorjahr noch steigern. Durch laufende Investitionen in das Stromnetz konnte auch die Versorgungssicherheit bei Strom auf dem hohen Level gehalten werden: seit 2011 liegt die Verfügbarkeit bei 99,99 Prozent. „Das Stromnetz von Netz Burgenland zählt zu den sichersten in Europa. Die tadellose Versorgung der Burgenländerinnen und Burgenländer hat höchste Priorität für uns. Wir nehmen unsere Rolle als burgenländischer Leitbetrieb sehr ernst“, so Vorstandsvorsitzender Michael Gerbavsits.

Vergangenen November startete Netz Burgenland mit dem Einbau der Smart Meter, den intelligenten Stromzählern, die die herkömmlichen Ferraris-Zähler ersetzen werden. Insgesamt werden rund 200.000 Anlagen getauscht – rund 4.000 Stück wurden im vergangenen Geschäftsjahr schon im Südburgenland eingebaut. Dies erfordert Gesamtinvestitionen von rund 50 Millionen Euro.

E-Mobilität auf dem Vormarsch
Was in den großen Städten Europas längst Alltag ist, ist seit diesem Jahr nun auch im Burgenland Realität  – das sogenannte "CarSharing". In Kooperation mit fünf Gemeinden wurde ein Pilotprojekt gestartet, bei dem der Bevölkerung Elektrofahrzeuge sowie die notwendigen Ladestationen zur Verfügung gestellt werden. „Mit dem Projekt E-CarSharing bringen wir umweltfreundliche Elektrofahrzeuge auf die Straße und unterstützen die Burgenländerinnen und Burgenländer bei der Abdeckung von notwendigen Bedarfsfahrten, die nicht täglich anfallen“, so Vorstandsdirektor Alois Ecker. Drei Schnelllade-Stationen wurden 2016 in Pinkafeld, Oberpullendorf und im EZE in Eisenstadt eröffnet, wo abhängig von der Batterie in nur 15 bis 20 Minuten vollgeladen werden kann. Derzeit gibt es mehr als 80 E-Ladestationen im Burgenland, weitere 47 sollen bis 2018 von Energie Burgenland gebaut werden, davon 7 Schnellladestationen.

Dienstleistungen im Gesamtpackage
Neben Zukunftsfeldern wie der E-Mobilität liegt der Hauptfokus der Strategie nach wie vor auf dem Ausbau der Dienstleistungen und der Ökostromproduktion. „Der Anspruch, 100 Prozent Ökostrom zu erzeugen und zu verkaufen, ist Teil unserer Identität und soll auch für die Zukunft gelten“, so die beiden Vorstände. Demgemäß wurde das Fernwärme-Kundennetz erweitert und etwa der Standort Eisenstadt der FH Burgenland an das Biomassekraftwerk der Energie Burgenland angeschlossen. Damit einher ging eine Erweiterung der Wärmeerzeugungs- und
–speicherungskapazitäten.

Zur Unterschrift kam im Juni 2016 auch der Kauf von 120 projektierten und OeMAG-geförderten PV-Anlagen an zwölf Standorten in Burgenland und Niederösterreich. Während der Bau dieser Anlagen erst im Jahr 2017 stattfinden wird, konnten im abgelaufenen Geschäftsjahr umfassende Kooperationen mit Gemeinden, Genossenschaften und Verbänden wie etwa dem ARBÖ realisiert werden. Der Automobilclub ließ auf den Dächern seiner sieben Standorte im Burgenland leistungsstarke PV-Anlagen sowie sog. Wallboxen zum Laden von Elektroautos errichten. Zum Package gehören auch eigenen Monitore, auf welchen Besucher sehen können, wie viel die jeweilige PV-Anlage aktuell produziert und ins Netz einspeist.

Unsichere Zukunft für Ökostromerzeugung
Die Vermarktung von Windenergie wurde im abgelaufenen Geschäftsjahr auf eine neue Ebene gehoben: Für den optimierten Verkauf der Energie aus Windenergieanlagen, die keinen Fördertarif mehr erhalten, wurde eine eigene Energiewarte mit 24-Stunden-Dienst eingerichtet. Die Mitarbeiter können so punktgenau zu bestmöglichen Preisen verkaufen. Ebenso wurde die Projektierung von Arrondierungs- und Repowering-Projekten in den burgenländischen Windparks fortgesetzt - vor allem sollen ausgediente Windkraftanlagen durch technisch bessere ersetzt werden. Die Realisierung einiger großer Projekte in Sachen Ökoenergieerzeugung wurde jedoch aufgeschoben, da die rechtlichen Rahmenbedingungen derzeit unsicher sind: „Aus unserer Sicht ist eine Novelle des bestehenden Ökostromgesetzes dringend notwendig. Die Fördertöpfe der OeMAG sind derzeit leer und so ist es ungewiss, wie und ob unsere geplanten Ökostromprojekte realisiert werden können“, so Gerbavsits und Ecker unisono. „Rechts- und Planungssicherheit ist für uns notwendig, damit wir den erfolgreichen Weg unter Bedachtnahme auf unsere Umwelt weitergehen können.“